Weihnachten in Coburg
Alltägliches

Ich wünsche allen Buchbegeisterten fröhliche Weihnachten

Einige Glühweinbecher und Weihnachtsfeiern später ist es wieder so weit: Die letzten Plätzchen sind gebacken und in Dosen verstaut. Wir haben uns durch enge Einkaufspassagen gezwängt, um alles nötige zu ergattern. Den Anblick bunter Kugeln und leuchtender Lichter verinnerlicht und uns in Supermärkten die Füße in den Wohlstandsbauch gestanden, weil die Schlangen an den Kassen neue Rekorde gebrochen haben und dabei Weihnachtsklassiker gefühlvoll mitgesummt. 

Doch nun sind alle Geschenke passabel verwickelt und verstaut und warten auf ihren Einsatz. Der schiefe Tannenbaum steht im Wohnzimmer und ein goldener Engel thront auf dessen Spitze. Der Braten ist abgeholt und die Karpfen blubbern im ungünstigsten Fall in der Badewanne vor sich hin. Tante Agathe wird wie jedes Jahr mit ihrer militanten Tierschutzgruppe drohen. Sie wird ihre Beruhigungspillen einwerfen und ankündigen, dass dies ihre letzte Weihnacht in dieser barbarischen Familie sei. Leider hält sie ihre Drohungen nie aufrecht und Opa Bruno wird die Stube vollqualmen, bis niemand mehr das Gesicht des anderen erkennt, sollten wir ihn nicht rechtzeitig packen und an die frische Luft stellen. Und wenn die liebe Kinderschar an der Dekoration und den übriggebliebenen Nerven zieht, ist es amtlich: Weihnachten ist da, mit allen unüberschaubaren Konsequenzen und einzigartigen Momenten!

Die Musik dröhnt aus den Lautsprechern und reicht von Weihnachtsklassikern über die größten Jodelerfolge bis zur Marschmusik. Einige Songs werden hoch, lautstark und falsch mitgesungen. In der Küche geht grundsätzlich etwas schief, was laut jammernd beim Essen Erwähnung findet – mindestens siebenundzwanzig Mal. Beim Geschenke auspacken ist trotz schmerzenden Kreischpegels der Kinder, der einem Sägewerk schonungslos Konkurrenz macht, Tante Agathes empörtes Sopran nicht zu ignorieren, die den immer widerwärtigeren Konsumrausch anprangert, womit sie nicht unrecht hat. Es ist an der Zeit zur gehaltvollen Weihnachtsbowle zu greifen. Manche Momente darf man sich genussvoll schön trinken und komischerweise gelingt das immer. 


Weihnachtsmarkt


In diesen promillebehafteten Minuten blende ich aus der fiktiven Familie aus. Etwas von ihr findet sich mit Sicherheit in jeder Familie wieder. Die bucklige Verwandtschaft, biedere Gewohnheiten, spießige Bräuche (die aber das Fest ausmachen), vermischt mit unpassender und passender Moderne und anderen Katastrophen. Und doch ist es entscheidend, ein Teil davon zu sein. Denn das ist Familie: Eine nicht abzuwendende und wenig einschätzbare Vermischung von Gemütszuständen, Launen und Herzlichkeiten, die es eben so nur in Familien gibt. Glücklich ist, wer eine hat!

Ich wünsche euch allen, das ihr gesehen, gehört und geliebt werdet.

Fröhliche Weihnachten, schiefe Welt

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